jotdrop – Die warme Dusche für die Straße

10.09.24, 14:30
Sabine Polster
202409 Projektstart jotdrop (c) Foto: Flingern mobil

Düsseldorf. Mit „jotdrop – Die warme Dusche für die Straße“ bringt Flingern mobil die NRW-weit erste mobile Dusche für obdach- und wohnungslose Menschen auf die Straße. Zum Projektstart übergab der Stiftungsratsvorsitzende der Sozialstiftung NRW Marco Schmitz MdL die Bescheide über die substanzielle Förderung, die den Betrieb für die ersten drei Jahre sichert. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller gratulierte zum Start, Weihbischof Ansgar Puff segnete das Duschmobil.
Mit „jotdrop“ bietet Flingern mobil wohnungslosen Menschen nicht nur eine niedrigschwellige, kosten- und barrierefreie Wasch- und Duschmöglichkeit mit begleitendem Beratungsangebot an öffentlichen Szenepunkten. Mit „jotdrop“ wird wohnungs- und obdachlosen Menschen auch ein seltener Moment des Wohlbefindens ermöglicht. „Ich konnte das Projekt von der Entstehung der Idee vor zwei Jahren bis zum heutigen Startschuss verfolgen und freue mich sehr, dieses wertvolle Projekt als Stiftungsratsvorsitzender der Sozialstiftung NRW mit 700.000 Euro zu unterstützen“, erklärte Marco Schmitz MdL. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller freute sich, dass mit "jotdrop" die vorhandenen Hilfsangebote in der Stadt „nicht nur ergänzt, sondern auch erweitert werden. Es ist ein wichtiges Projekt, das den Menschen ihre Würde zurückgibt.“ Zum Abschluss segnete Weihbischof Ansgar Puff das Duschmobil und erinnerte daran, dass eine Dusche für manche Menschen, die „Monate keine Dusche zur Verfügung hatten, tatsächlich Luxus ist“.


Warum "jotdrop"? Ein erster Schritt zur Stärkung der Selbstwirksamkeit.
Wohnungslose Menschen erfahren aufgrund ihres äußerlichen Zustands oft Ableh-nung, Distanzierung. Dem entgegen stärkt die Wiedererlangung eines gepflegten Erscheinungsbildes die Selbstwirksamkeit: Menschen erwägen wieder, auf Men-schen zuzugehen, sich helfen zu lassen, sie trauen sich wieder, einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufzusuchen. Es ist der erste Schritt, den Selbstwert zu stärken und die eigene Lebenssituation verbessern zu wollen – der erste Schritt, wieder „jot drop“ zu sein.


Das Angebot: Hilfe von A-Z.
Das basale Angebot ist Türöffner für weitere Hilfeleistungen. Eine Pflegefachkraft versorgt eventuelle Wunden und wechselt Verbände; Hilfskräfte sorgen für saubere Duschen, helfen auf Wunsch beim An- und Ausziehen, Ein- und Aussteigen. Und wer möchte, kann sich unseren Sozialarbeitenden in einem mobilen Beratungsraum für vertrauliche Gespräche und psychosoziale Beratung anvertrauen. Durch die digitale Ausstattung des Begleitfahrzeugs sind auch Anträge auf Leistungen nach SGB 2 oder 4 und Weitervermittlungen (Arzt- oder Amtstermine) in das Hilfesystem möglich.


„jotdrop“ ist ein Brückenbauer auf vier Rädern.
Das Angebot ist barrierefrei und so niedrigschwellig wie möglich: Niemand wird abgelehnt, das Duschmobil kommt dahin, wo sich die Klientinnen und Klienten aufhalten. Und die Rampe ermöglicht auch das Duschen für Rollstuhlfahrende.


Zahlen/Bedarf:
Es besteht ein eklatanter Anstieg der wohnungslosen Menschen in Düsseldorf: Zum Stichtag 30.06.2023 waren dem jüngsten Fachbericht des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales zufolge in Düsseldorf 4.525 Personen wohnungslos, 2022 waren es noch 3.650.


Personal:
Neben zwei ausgebildeten Fachkräften der sozialen Arbeit sind während der Betriebszeiten auch eine Pflegefachkraft sowie eine Unterstützungskraft im Einsatz. Die Stelle der Pflegefachkraft ist noch unbesetzt.


Regelbetrieb und Standorte:
Der Regelbetrieb soll von von montags bis freitags täglich vier Stunden umfassen. Es stehen etliche Standorte zur Disposition, wo auch eine Stromversorgung sowie Wasserzu- und abfuhr möglich sind. In der Startphase betreibt Flingern mobil quasi Feldforschung, wo das Angebot am hilfreichsten ist – also wo sie die meisten Menschen erreichen. Diese Frage beantwortet die Klientel selbst.


Duschmobil:
Der Anhänger mit zunächst einem Duschplatz ist quasi das „Starterkit“. Mit diesem sammeln das Team weitere Erfahrungen, bindet das Klientel im Sinne der Partizipation mit ein, um den Bedürfnissen genau entsprechen zu können und will dementsprechend das Angebot mittelfristig um weitere Duschplätze erweitern. Dafür werden Spenden benötigt.


Finanzierung / Notwendigkeit von Spenden:
Das Pilotprojekt „jotdrop“ wurde vor allem durch die substanzielle Förderung der SozialstiftungNRW und der Aktion Mensch ermöglicht.
Aber "jotdrop" hat noch viel vor: Um das Angebot langfristig zu sichern und mit noch mehr Duschplätzen auszubauen, hofft Flingern mobil auf zahlreiche Spenden der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger. Auch freuen sich das Team über ehrenamtliches Engagement – etwa von Friseuren oder Wäschereien.